Was es ist und was die Literatur beschreibt
LL-37 nimmt an Membranen eine alpha-helikale Struktur an, bindet an Bakterienmembranen und bildet dort vorübergehende Poren oder stört die Membran. Daneben wird eine Signalwirkung über Rezeptoren wie den Formylpeptid-Rezeptor 2 (FPR2/FPRL1) beschrieben, mit Effekten auf Chemotaxis und Entzündungsantwort.
Zwei Punkte gehören zur Einordnung. Erstens ist der Abstand zwischen antimikrobieller und zytotoxischer Konzentration bemerkenswert schmal. Zweitens wird ein erhöhter körpereigener LL-37-Spiegel in der Literatur mit chronisch-entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen in Verbindung gebracht — mehr davon ist also nicht per se besser. In Lösung ist das Peptid instabil.
Zur Identität, weil Registereinträge hier leicht in die Irre führen: Die Sequenz lautet LLGDFFRKSKEKIGKEFKRIVQRIKDFLRNLVPRTES — elf basische Reste (Lysin und Arginin) gegen fünf saure (Aspartat und Glutamat), daher die Nettoladung von etwa +6. In PubChem führen der Name LL-37, „Cathelicidin“ und der INN ropocamptide übereinstimmend zu CID 16198951 (C205H340N60O53, rund 4.493 g/mol). Die CAS-Nummer 154947-66-7 liefert dagegen inzwischen sieben Einträge (Stand 28. September 2026): diesen, zwei weitere mit derselben Summenformel – einer davon ohne festgelegte Stereochemie – und vier für LL-37-Trifluoracetat, darunter CID 137699475 (rund 4.607 g/mol). Trifluoracetat ist das Gegenion, das synthetische Peptide nach der Reinigung häufig tragen; ein Analysenzertifikat sollte deshalb angeben, ob sich Masse und Reinheit auf das Peptid oder auf das Salz beziehen. Außerdem führt PubChem die Namen des Vorläufers — Cap-18, hCAP 18 — als Synonyme des Peptids. hCAP-18 ist aber das 18-kDa-Vorläuferprotein, aus dem LL-37 herausgeschnitten wird, nicht dasselbe Molekül.
Beim Menschen ist die Studienlage schmaler und uneinheitlicher, als die Laborbefunde vermuten lassen. Die erste Humanstudie (Grönberg et al., Wound Repair Regen 2014, PMID 25041740) schloss 34 Menschen mit schwer heilenden venösen Beingeschwüren ein: nach drei Wochen offener Vorlaufphase mit Placebo vier Wochen doppelblind LL-37 in 0,5, 1,6 oder 3,2 mg/mL, zweimal wöchentlich aufgetragen, oder Placebo. Die Heilungsratenkonstante lag bei 0,5 mg/mL etwa sechsmal über Placebo (p = 0,003), bei 1,6 mg/mL etwa dreimal (p = 0,088, nicht signifikant); die mittlere Geschwürfläche nahm um 68 % bzw. 50 % ab. Die höchste Konzentration schnitt nicht besser ab als Placebo — die Dosis-Wirkungs-Beziehung verlief also umgekehrt. Lokale oder systemische Sicherheitsbedenken traten nicht auf.
Die Bestätigungsstudie verfehlte ihr Hauptziel. In der Phase-IIb-Studie HEAL LL-37 (Mahlapuu et al., Wound Repair Regen 2021, PMID 34687253) erhielten 148 Patientinnen und Patienten mit schwer heilenden venösen Beingeschwüren zusätzlich zur Kompressionstherapie LL-37 in 0,5 oder 1,6 mg/mL oder Placebo. Über die gesamte Studienpopulation verbesserte LL-37 die Heilung nicht. Erst eine nachträgliche Auswertung fand eine Verbesserung bei Geschwüren ab 10 cm² — die Autoren sehen darin einen Grund für eine neue, ausreichend große Studie, nicht einen belegten Effekt. Drei der Autoren waren Angestellte von Promore Pharma, dem Unternehmen, das LL-37 unter dem Namen ropocamptide entwickelt. Beide Stärken wurden gut vertragen.
Bei diabetischen Fußgeschwüren mit leichter Infektion (Miranda et al., Arch Dermatol Res 2023, PMID 37480520; NCT04098562) verbesserte eine LL-37-Creme, vier Wochen lang zweimal wöchentlich aufgetragen, den Granulationsindex an den Tagen 7, 14, 21 und 28 (p = 0,031, 0,009, 0,006 und 0,037); die Entzündungsmarker IL-1α und TNF-α sanken jedoch nicht, und der Unterschied in der bakteriellen Besiedlung war nicht signifikant. Injiziert wurde LL-37 bisher vier Menschen: In einer Phase-1/2-Studie am MD Anderson Cancer Center (NCT02225366, Juli 2015 bis November 2020) wurde es wöchentlich bis zu acht Wochen lang in Hautmetastasen des Melanoms gespritzt. Ein Fallbericht zu einem dieser Patienten (Dolkar et al., J Cutan Pathol 2018, PMID 29665030) beschreibt, dass die behandelten Herde schrumpften, nach rund 45 Tagen aber zahlreiche warzen- und keratoakanthomartige Hautveränderungen an Rumpf und Gliedmaßen auftraten; 11 von 12 Biopsien zeigten dasselbe Muster. Alle bildeten sich innerhalb von zwei Monaten nach Ende der Injektionen zurück.
Zur Halbwertszeit: Die bisher auf dieser Seite genannte funktionelle Halbwertszeit von etwa einer Stunde, die bei gehemmten Proteasen auf über 12 Stunden steige, ist zurückgezogen. Keine der beiden Angaben ließ sich einer Studie zuordnen, und im Blut von Menschen, denen LL-37 gegeben wurde, ist es nie gemessen worden. Belegt ist nur die Stabilität außerhalb des Körpers: Bei 37 °C baute Trypsin LL-37 (10 µg/mL) binnen sechs Stunden vollständig ab, MMP-9 dagegen nicht; in Wundflüssigkeit aus neun nicht heilenden venösen Beingeschwüren war bis zu 24 Stunden kein Abbau erkennbar (Grönberg et al., Acta Derm Venereol 2011, PMID 21547341). Das sind Stunden im Reagenzglas, keine Halbwertszeit im Menschen. Korrigiert ist auch unsere Aussage, keine Studie habe Menschen LL-37 oral gegeben: Es gibt genau eine, und sie verwendet nicht das Peptid selbst. In einer offenen, randomisierten, placebokontrollierten Studie an einer einzigen chinesischen Klinik (Zhao et al., J Med Virol 2023, PMID 37605995) erhielten 238 Erwachsene, die wegen der Omikron-Variante von COVID-19 stationär lagen, entweder Placebo oder „Oral LL-37“ – ein gentechnisch verändertes Bakterium, Lactococcus lactis, das LL-37 im Darm bildet. Begann die Einnahme binnen sechs Tagen nach der Diagnose, war der PCR-Test schneller negativ (9,8 gegenüber 14,0 Tagen); schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Gemessen wurde ein Testergebnis, nicht Genesung oder Überleben, und synthetisches LL-37 ist beim Menschen nie oral untersucht worden.
In den USA hat die FDA auf ihrer Seite zu Bulk-Wirkstoffen mit möglichen erheblichen Sicherheitsrisiken eine Bewertung von Cathelicidin LL-37 veröffentlicht: Rezepturen damit können je nach Anwendungsweg ein Immunogenitätsrisiko bergen, peptidbezogene Verunreinigungen und die Charakterisierung des Wirkstoffs sind schwierig, und nichtklinische Daten deuten auf schädliche Wirkungen auf die männliche Fortpflanzung sowie auf ein tumorförderndes Potenzial in manchen Geweben hin. Heute steht LL-37 dort im Abschnitt der Substanzen, deren Nominierung zurückgezogen wurde (Stand 22. April 2026), und auf keiner der beiden Compounding-Listen — weder der 503A-Liste für Apotheken (Stand 14. Mai 2026) noch der 503B-Liste für Herstellbetriebe (Stand 21. März 2025). Eine openFDA-Suche nach einer Fachinformation für ropocamptide oder LL-37 ergibt nichts, dieselbe Suche nach Semaglutid fünf Treffer.
Auf ClinicalTrials.gov liefert LL-37 als Intervention 20 Einträge. Die meisten messen das körpereigene LL-37, etwa in Vitamin-D-, Speichel- oder Parodontitisstudien; nur zwei verabreichen es: die Melanomstudie und die Studie zu diabetischen Fußgeschwüren (Kontrollsuche Semaglutid am selben Tag: 760). Auf der WADA-Verbotsliste ist LL-37 nicht namentlich geführt, fällt aber unter Abschnitt S0, der jederzeit jede pharmakologisch wirksame Substanz verbietet, die an anderer Stelle nicht erfasst ist und keine behördliche Zulassung für die therapeutische Anwendung am Menschen hat.